Joël Krauß

Wie erlebst Du die Zeit der Corona-Krise? Wie wirkt sich das auf Deinen Alltag und Dein Schaffen aus?

Ich erlebe die Zeit der Pandemie als sehr schleppend und anstrengend. Ich darf seit März 2020 nicht mehr arbeiten gehen, was meinen Alltag komplett verändert hat. Ich hätte rein theoretisch Zeit für Dinge, die aufgrund meiner Selbstständigkeit normalerweise zu kurz kommen, wie Freunde und Familie, Gastronomiebesuche, Urlaub, etc.. Darüber hinaus liegt die Existenzangst wie ein drohender Schatten auf jedem Tag, seit Pandemiebeginn und die Angst der Insolvenz rückt näher und näher.

Es wurden jede Menge Hilfspakete geschnürt – auch für Kulturschaffende und die Veranstaltungsbranche. Funktioniert das für Dich?

Ich hatte ein halbes Jahr ALG II, was aber meiner Meinung nach menschenunwürdig und keine Dauerlösung für uns Kulturschaffende/Selbstständige ist. Darüber hinaus habe ich dankend verzichtet nach einem halben Jahr zu verlängern, weil dies mit einem vereinfachten Antrag nichts mehr zu tun hatte! Der Zugang zu November- und Dezemberhilfen war mir fast nicht möglich, da weder ich noch ein Großteil meiner Auftraggeber von Schließungen betroffen waren. Ich darf zwar seit März 2020 nicht mehr arbeiten, aber ich musste nicht wie die Gastronomie schließen. Darüber hinaus waren meine Umsätze unter den vorgegebenen 80 Prozent Umsatzeinbruch, die man hätte erreichen müssen. Nun steht die Neustarthilfe an und ich bin wieder gezwungen hoch bürokratisch Beamtendeutsch zu entziffern, sehr viel Zeit und Nerven investieren, um dann schlussendlich vielleicht Anspruch auf diese Hilfe zu haben.

»Funktioniert das für mich?«, um auf Eure Frage zurückzukommen: NEIN! Es ist eine Schande, wie mit Selbstständigen unserer und anderen Branchen, die unter der Krise leiden gerade umgegangen wird. Es ist doch indiskutabel, dass die Umsätze seit fast einem Jahr bei null liegen! Warum müssen wir uns weiter rechtfertigen, um Anspruch auf Hilfe zu bekommen? Du merkst, das Thema macht mich leider nur noch traurig und sauer!

Was sind Deine Wünsche für die Zukunft der Kulturstadt Landau?

Ich wünsche mir schon seit Jahren ein ausgelasseneres Angebot an Kultur in allen Formen in Landau. Vor allem die Studenten kommen meiner Meinung nach oft zu kurz was das kulturelle Angebot anbelangt. Ich würde mir darüber hinaus wünschen, dass die Stadtspitze mehr Kultur in der Innenstadt ermöglicht, vor allem im musikalischen Bereich! Die entsprechenden Konzessionen werden nur leider aus Angst vor verärgerten Anwohnern nicht bewilligt und ich habe auch den Eindruck, dass die Stadt versucht viele kulturellen im eigenen Lager zu organisieren. Ich würde mir mehr Kooperation mit kulturellen Vereinen, wie z.B. dem Haus am Westbahnhof, Gloria Kulturpalast, Südstern e.V., usw. wünschen, um auch auf andere Kulturstätten innerhalb von Landau aufmerksam zu machen. Ein bunteres Landau fände ich noch schöner, als es jetzt schon ist!